Wenn ich auch immer sage, daß man mir keine Bücher zur Rezension schicken soll und darf, gibt es doch eine Ausnahme: Sie richtet sich an neue Autoren bzw. an Leute, die gern ein Neuer Autor werden wollen. Wer glaubt, daß sein Werk gut genug ist, um in einem Verlag, am besten einem richtig großen, zu erscheinen, hat die Möglichkeit, bei mir einen kleinen Markttest zu machen: Schickt mir eure Bücher, und ich werde eine Rezension dazu schreiben.
Das klingt netter, als es ist. Wenn ich ein Buch rezensiere, nehme ich auf nichts und niemanden Rücksicht, nicht auf das Alter des Autoren, seine Erfahrung, Krankheiten oder Behinderungen - mich interessiert nur, ob es ein gutes Buch ist. Ein Leser geht in eine Buchhandlung und kauft ein Buch, nicht einen Autor, und wenn er am Ende enttäuscht ist, hat er alles Recht der Welt, seinem Ärger Luft zu machen, selbst wenn der Autor erst achtzehn Jahre alt ist, ein Waisenkind und dazu noch kriegsversehrt - wenn das Buch schlecht ist, entschuldigt das gar nichts. Und wenn das Buch gut ist, gibt es nichts zu entschuldigen. Ich werde Bücher, die man mir im Rahmen dieses Angebots schickt, so behandeln wie jedes andere auch. Allerdings bekommt die Rezension einen entsprechenden Hinweis, daß es sich um ein unveröffentlichtes und vor allem unlektoriertes Buch handelt - im Verlagslektorat, wenn es ein guter Verlag ist, lassen sich noch einige Fehler ausbügeln. Aber auch dort wird nicht ein schlechtes Buch zu einem guten Buch.
Ich biete keinen Lektoratsdienst an. Ich bin kein Ersatz für einen treuen und ehrlichen Betaleser. Ich nehme nur die Klauen und Zähne vorweg, denen ein Buch ausgesetzt ist, sobald es einmal veröffentlicht wurde. Wer an dieser Stelle kalte Füße und Angst bekommt, sollte sich besser dreimal überlegen, ob er mit seinem Werk den Schritt in die Öffentlichkeit wagen will. Früher oder später gerät jedes Buch an einen Leser, der es nicht mag. Der das vielleicht auch noch öffentlich sagt oder schreibt. Der dem Autor unterstellt, er habe kein Talent, keine Ahnung, oder Schlimmeres. Das trifft einen schwer und tut weh. Es tut immer weh, auch wenn man ein dickes Fell hat. Schlimmstenfalls kann es einen Autoren zerstören und ihm jede Lust am Schreiben nehmen. Wer schon in kalten Schweiß ausbricht angesichts der Vorstellung, daß hier auf bibliophilis.de, einer Seite im äußersten Winkel des Internets, wo sich nur wenige Leser am Tag hin verirren, ein Verriß stehen könnte, der sollte die Finger ganz vom Veröffentlichen lassen. Ein Autor braucht Mut. Er braucht vor allem Talent und Können, aber auch Mut.
Ich verspreche keinen Verriß. Es ist genausogut möglich, daß die Kritik begeistert ausfällt, aber selbst wenn, kann man sich dafür nichts kaufen. Kein Lektor wird sich das Manuskript mit anderen Augen ansehen, nur weil es mir gefallen hat. Ich bin nur eine Leserin von potentiellen Millionen. Was mir nicht gefällt, kann immer noch ein anderer mögen. Was mir gefällt, kann jemand anderes hassen. Was ich hier mache, ist ein Markttest mit einer zu kleinen Probandenmenge, um repräsentativ zu sein - aber in Zeiten, wo jeder Leser jedes Buch rezensieren kann, öffentlich im eigenen Blog oder direkt im Shop der Onlinebuchhandlungen, hat jede einzelne Kritik ihr Gewicht. Und wer darunter zusammenbricht, ist vielleicht - oder sogar ganz sicher - auf dem Buchmarkt nicht richtig aufgehoben.
Jeder Mensch hat das Recht zu schreiben, was er will. Die Probleme beginnen erst da, wo jemand anderes es lesen soll. Ich will niemanden vom Schreiben abbringen. Aber ich will helfen, den Buchmarkt vor den Ergüssen schlechter Autoren zu bewahren, und schlechte, junge oder unerfahrene Autoren vor den Bestien des Buchmarkts. Manchmal ist es einfach noch zu früh für eine Veröffentlichung. Manchmal braucht das Buch eine gründliche Überarbeitung, manchmal braucht der Autor mehr Lebenserfahrung und mehr Schreibpraxis. Manchmal kann ein zu früher Durchbruch bedeuten, daß es danach zu spät ist: Wer mit seinem Erstling als Dilettant abgestempelt wird, bekommt Probleme, das nächste, bessere Buch, jemals an Leser oder Verlage zu bringen. Mir ist egal, ob jemand noch ein Wunderkind ist oder schon ein Wundererwachsener, solange ich ein gutes Buch zu lesen bekomme.
Wer also den Mut hat, sich von mir er- oder entmutigen zu lassen, der darf mir gerne sein Manuskript schicken. Entweder per E-Mail an die Adresse im Impressum, mit dem Betreff Bibliophilis Autorenangebot, oder direkt per Post - der digitale Weg (als *.doc oder *.odt, damit ich es mir für den Ausdruck selbst formatieren kann) ist mir aber lieber. Ich lese auch Texte auf Englisch, aber die Rezension wird am Ende auf Deutsch verfaßt sein.
Ich werde nur ein Buch rezensieren, das ich auch bis zum Ende gelesen habe - alles andere ist unfair, und wenn ich ein Werk für unlesbar und unrezensierbar halte, werde ich das dem Betreffenden persönlich mitteilen. Alle anderen Rezensionen erscheinen hier im Blog, öffentlich, unter dem Namen des Autors, für jeden Besucher und jede Suchmaschine lesbar. Es ist ein Angebot. Und wer will, darf es versuchen.
Buchmensch
2009-04-23