Bibliophilis 

Dienstag, 29. August 2006

Anthony Horowitz: Das Gemini-Projekt

Das Gemini-ProjektDen Luxus, ein wirklich schlechtes Buch zu lesen, hatte ich lange nicht mehr, aber diesem hier gebührt die Ehre. An so schlechte Bücher kommt man nur über die Bücherei - ich hätte es mir nie gekauft, und auch keiner meiner Freunde. Aber wenn es mir in der Bücherei in die Finger fällt, dann kann ich es mir unbesorgt ausleihen, ich muß es ohnehin zurückgeben, qualitätsunabhängig. Das einizge, worüber man sich hinterher vielleicht ärgern muß, ist verschwendete Zeit. Das Gemini-Projekt ist da so auf der Grenze - zwischen »So schlecht, daß man es nicht lesen mag« und »So schlecht, daß es fast schon wieder Spaß macht«. Die Lektüre ist über weite Teile Quälerei, inhaltlich zum einen sowieso, sprachlich durch die Übersetzung unterster Kajüte noch dazu. Aber für Leute, die nur glücklich sind, wenn sie sich über etwas aufregen können, ist dieses Buch sicher etwas, vor allem für die Fünfzehnjährigen dieser Gruppe, die noch zu jung sind für die Bücher von Anne Rice.

Der Anfang des Buches ist bezeichnend für den vorherrschenden Mangel an Logik. Der schwerreiche EDV-Mensch verläßt die gepanzerte Limousine, schreitet durch die kameraüberwachte Lobby, ruft per Fingerabdruck den Hochsicherheitsaufzug und läßt sich so hermetisch abgesichert in seine Geschäftsräume katapultieren - wo er freundlich die Sekretärin begrüßt. Und der mitdenkende Leser fragt sich: Wie ist sie da hochgekommen? Entweder die Angestellten leben als Sklaven in den oberen Etagen des Wolkenkratzers und dürfen niemals ihre Ebene verlassen - oder es gibt eben doch eine Treppe oder einen zweiten Aufzug für Normalsterbliche. Womit dann der abgeschottete Hochsicherheitsaufzug gar keinen Sinn mehr macht. Mithilfe dieses Aufzugs kommt der reiche Mann dann auch prompt ums Leben, und spätestens da hätte ich mit der Lektüre aufhören sollen.

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Geschrieben von Buchmensch in Jugendbuch um 23:22 | Kommentar (1) | Trackbacks (0)
Tags für diesen Artikel: Geheimdienst, Internat, Organisiertes Verbrechen, Schund

Freitag, 25. August 2006

Barbara Wendelken: Eine Frühstücksfee für Julia

Eine Frühstücksfee für JuliaWenn man wie ich zehn Jahre lang Bücher nur verkauft, aber effektiv nie gelesen hat, sollte man ganz vorsichtig sein, wenn man dann doch mit dem Lesen wiederanfängt. Der Verdurstende, der aus der Wüste kommt, darf auch keine zehn Liter auf einmal trinken. So erschien es mir ganz sinnvoll, mir ein Buch für Leseanfänger vorzunehmen. Meine Kollegen guckten zwar ein bißchen seltsam, als ich ihnen demonstrierte, daß doch noch eine Leserin in mir steckt - wohlgemerkt, ich befand mich zum Zeitpunkt des Lesens als Praktikantin an der Verbuchungstheke einer Stadtbücherei, aber es war nicht viel los, und immer wenn Leser kamen - im Fachjargon: Benutzer - legte ich das Buch brav beiseite und kümmerte mich um Ausleihen und Rücknahmen. Sowas kann man nicht mit jedem Buch machen - aber wenn man über dreißig ist, und das Buch richtet sich an Sechsjährige, sollte das schon gehen.

Und es ging ganz gut. Denn trotz des ziemlich bescheuerten Titels Eine Frühstücksfee für Julia, der zu kitschig und zu niedlich klingt, ist es eine lesenswerte kleine Geschichte, in der überhaupt keine Feen vorkommen. Und - man glaube es oder nicht - ich entdeckte gravierende Parallelen zwischen der kleinen Heldin, Julia, und mir selbst.

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Geschrieben von Buchmensch in Kinderbuch um 22:24 | Kommentare (4) | Trackbacks (0)
Tags für diesen Artikel: Alleinerziehende, Schule

Mittwoch, 23. August 2006

Thornton Wilder: The Bridge of San Luis Rey

Das ist das erste Buch, das ich seit sehr langer Zeit lese. Es ist nicht besonders dick, daher schien es mir für den Wiedereinstieg ganz passend. Es ist mir durch Zufall in die Finger gekommen, aber ich hatte schon früher von diesem Buch gehört: In einer Folge der Krimiserie Monk gibt sich der Mörder als Journalist aus und erzählt, er habe einen bedeutenden Preis für eine Reportage bekommen, bei der er nach einem Brückeneinsturz in Peru die Lebensgeschichten der Opfer mit Akribie recherchiert habe. Doch Mr. Monk erkennt darin den Inhalt des Buches Die Brücke von San Luis Rey, durchschaut den Mann als Lügner und infolge dessen natürlich auch als Mörder.

Schon damals - vor ca. zwei Jahren - dachte ich: Interessantes Buch, mußt du bei Gelegenheit mal lesen - und verwarf den Gedanken wieder, wie die meisten, die mit Lesen zu tun hatten. Später empfohl mir mein Vater dieses Buch - er hatte es als Schüler als Lektüre im Englischunterricht lesen müssen und war davon angetan, und wenn man das über eine Schullektüre sagen kann, scheint es sich wirklich um ein gelungenes Buch zu halten.
Jedenfalls, als ich es nun in der Bücherei, in der ich zur Zeit ein Praktikum mache, in die Finger bekam, habe ich es kurzentschlossen ausgeliehen und mich auch umgehend an die Lektüre gemacht.

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Geschrieben von Buchmensch in Weltliteratur um 13:40 | Kommentare (0) | Trackbacks (0)
Tags für diesen Artikel: Gottesbeweis, Historische Persönlichkeiten, Religion
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