Bibliophilis 

Montag, 25. September 2006

Victoria Holt: Das Haus der Sieben Elstern

Das Haus der Sieben ElsternIch habe nie erwartet, daß dies ein gutes Buch sein würde. Tatsächlich rechnete ich mit dem Schlimmsten, als ich es aus der Bücherei mitnahm - aber ich wollte einen Schmöker, in dem sich alte Familiengeheimnisse um ein noch älteres Haus ranken, und da erschien es mir geeignet. Es gibt viele solcher Haus-Geheimnis-Bücher, und sie machen mir für gewöhnlich zumindest Spaß. Ich mag geheimnisvolle Häuser. Und da es am Ende ohnehin an die Bücherei zurückgeht, kann es ruhig schlecht sein.

Nun hatte ich ja alle Allingham-Bücher in München zurücklassen müssen - bis auf Gefährliches Landleben, aber das kannte ich ja schon - und brauchte für die Rückfahrt etwas zum Lesen. Sechseinhalb Stunden Zugfahrt sind kein solches Vergnügen, wenn man nichts zu tun hat, und so nahm ich mir Das Haus der Sieben Elstern vor. Ich erwartete nichts - und das bekam ich dann auch.

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Geschrieben von Buchmensch in Mystery um 12:41 | Kommentare (0) | Trackback (1)
Tags für diesen Artikel: Familiengeheimnis, Geheimnisvolles Haus, Schund, Viktorianische Ära, Waisenkind

Samstag, 23. September 2006

Margery Allingham: Gefährliches Landleben

Gefährliches LandlebenDa muß ich jetzt eigentlich von Christoph erzählen. Der ist in München, was nicht wirklich zum Wort Landleben im Titel paßt, aber er ist nun einmal da, für ein halbes Jahr, und macht ein Praktikum. Er hat ein kleines möbliertes Zimmer in einer WG, wo gerade das Nötigste reinpaßt, und mehr als das Nötigste hat er auch gar nicht mitgenommen. Seine Bücher zum Beispiel hat er zuhause gelassen. Aber wofür ist seine Freundin ein Buchmensch? Und so ist es nun an mir, ihn mit Lesefutter zu versorgen. Am Wochenende bin ich hingefahren, und er bat mich also, ihm etwas zu lesen mitzubringen. Irgendwelche Krimis.

Nun könnte ich das machen wie in der Reklame und sagen »Irgendwelche Krimis habe ich nicht« - aber das stimmt nicht, natürlich habe ich auch irgendwelche Krimis, noch aus den Zeiten, als ich mich blind durch alle Antiquariate und Wühlkisten Kölns gekauft habe, um mit steigenden Bücherzahlen gegen sinkende Leselust anzukämpfen. Da ist viel, viel Schrott dabei, und vieles davon habe ich nie gelesen. Aber wenn es darum geht, meinem Freund im fernen München einen angenehmen Leseabend zu bereiten, muß etwas Gutes her. Etwas wirklich Gutes. Und so griff ich kurzentschlossen und zielsicher ins Regal und holte meine ersten vier Bücher von Margery Allingham heraus - Gefährliches Landleben, Hüter des Kelches, Polizei am Grab und Süße Gefahr.

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Geschrieben von Buchmensch in Krimi um 10:39 | Kommentare (0) | Trackbacks (4)
Tags für diesen Artikel: Organisiertes Verbrechen

Samstag, 16. September 2006

Jacqueline Wilson: Charlies Doppelleben

Charlies DoppellebenBei Computerspielen für Kinder ist der Begriff Edutainment - die Kombination aus Unterhaltung und der Vermittlung von Wissen - in aller Munde, das Konzept bewährt und anerkannt. Was liegt näher, als auch den Buchmarkt mit solchen Amalgama zu beglücken? Und was liegt näher, als daß dieser Versuch gründlich in die Hose gehen wird?

Betrachtet man Charlies Doppelleben als ein solches Experiment, muß man sagen: Guter Versuch, aber am Ziel vorbei. Es ist offenbar schwierig, ein pädagogisch wertvolles Buch zu einem guten Buch für Kinder und Erwachsene zu machen: Entweder entdecken die Erwachsenen inhaltliche Mängel, oder die Kinder finden das Ergebnis langweilig. Muß wohl zumindest Jaqueline Wilson gedacht haben, und verknüpfte ihre akribisch recherchierte Geschichte eines minderjährigen Dienstmädchens der Viktorianischen Ära mit einer zeitgenössischen Rahmenhandlung. Sie hätte nicht versuchen dürfen, es allen Seiten Recht zu machen. Denn das Ergebnis - unterhaltsam auf der einen Seite, informativ auf der anderen - ist eines nicht geworden: Ein gutes Buch.

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Geschrieben von Buchmensch in Jugendbuch um 18:21 | Kommentar (1) | Trackbacks (0)
Tags für diesen Artikel: Alleinerziehende, Viktorianische Ära

Freitag, 15. September 2006

Roald Dahl: Charlie und die Schokoladenfabrik

Zu Roald Dahl habe ich ein leicht gespaltenes Verhältnis. Als Kind konnte ich relativ wenig mit ihm anfangen und entdeckte ihn später als brillanten Zyniker mit Küßchen Küßchen. Ich halte ihn für einen guten, sogar einen herausragenden Autoren, aber ich glaube, es gibt bessere. Sein Sarkasmus wirkt manchmal aufgesetzt und sein Humor ist nicht immer der meine - ich mag es böse, aber nicht grausam; ich mag Nonsense, aber keine Albernheit. Nach der Verfilmung von Hexen Hexen beendete ich unsere Beziehung bis auf weiteres, um ihn Jahre später durch eine andere Verfilmung wiederzuentdecken: Charlie und die Schokoladenfabrik.

Ich bin mir sicher, daß ich dieses Buch schon Anfang der Neunziger einmal gelesen habe, aber es kann mich nicht wirklich vim Hocker gerissen haben, sonst wäre es mir besser im Gedächtnis geblieben. Der Film dagegen - der neue Film, mit Johnny Depp als Willy Wonka - begeisterte mich von vorn bis hinten: Brillante Story, Schauspieler, Regie, Einfälle... Und ich beschloß, das Buch noch einmal zu lesen. Am besten im englischen Original, aber ich nehme, was ich bekomme, und da die Bücherei es nur auf Deutsch hatte, so ist das immer noch besser als gar nichts. Ich las es also wieder nur auf Deutsch, und vielleicht ist das der Grund, warum ich jetzt sagen muß: Dies ist einer der seltenen Fälle, wo der Film besser ist als das Buch. Und zwar deutlich.

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Geschrieben von Buchmensch in Kinderbuch um 21:35 | Kommentar (1) | Trackbacks (0)
Tags für diesen Artikel: Armut, Nonsense, Wortwitz

Dienstag, 12. September 2006

Jean Webster: Daddy Langbein

Daddy Langbein / Lieber FeindKein Buch aus der Bücherei, und keines, das ich zum ersten Mal lese - nein, es ist mein eigenes, und es ist mindestens das dritte Mal und ganz sicher nicht das letzte. Beim ersten Mal war ich fünfzehn und das Buch aus der Bücherei. Beim zweiten Mal war ich zwanzig und hatte das Buch passenderweise auf dem Flohmarkt der Heilsarmee erstanden. Und jetzt hatte ich einfach wieder Lust darauf. Es ist ein tolles Buch. Ich brauchte ein tolles Buch. Das Gemini-Projekt hatte zuviel von meiner positiven Leseenergie aufgebraucht. Da mußte etwas Bewährtes her. Und als ich im Internet durch Zufall auf die Anime-Verfilmung von Daddy Longlegs stieß, bekam ist plötzlich wieder Lust, dieses Buch zu lesen. Und fand mich wenige Minuten später im Wohnzimmer wieder, die Beine hochgelegt, eine Decke über den Knien und diese Blüte der amerikanischen Mädchenliteratur in Händen. Und las, und las, und genoß wie damals und damals.

Dem Genre »Mädchenbuch« haftet irgendwie etwas Negatives an, als ob kein männliches Wesen jemals an einem dieser Bücher Gefallen finden könnte, es impliziert etwas Abgedroschenes, Schmonzettiges - als wäre es nur ein kleiner Schritt vom Mädchenbuch hin zu Rosamunde Pilcher und dem Echo der Frau. Ich verwende den Betriff jedoch weder ab- noch aufwertend für eine Untergruppe des Adoleszenzromans, in dem sich junge Frauen ihren Platz in der Gesellschaft schaffen. Und der ist nicht immer da, wo die zeitgenössischen Konventionen ihn gerne gesehen hätten. Vor allem in diesem Buch.

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Geschrieben von Buchmensch in Mädchenbuch um 00:34 | Kommentare (0) | Trackback (1)
Tags für diesen Artikel: Gesellschaftskritik, Internat, Waisenkind
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