Bibliophilis 

Freitag, 17. August 2007

Garth Stein: Seelendiebe

SeelendiebeEs gibt Bücher, deren Cover den Leser - oder zumindest mich - sofort anspringen. Seelendiebe fällt in diese Kategorie. Denn eigentlich hat es alles, was mich sonst dazu bringt, ein Buch ganz sicher nicht zu lesen: Es geht um Indianer. Ich lese keine Indianerbücher. Nicht, weil ich etwas gegen Indianer hätte. Aber ich mag keine Apatchen auf stolzen Mustangs und keine Traumfänger, und vor allem mag ich keine Indianerfriedhöfe, auch wenn ich sonst ein rechter Friedhofsfan bin. Aber Indianerfriedhöfe - nein, die kommen mir nicht mehr ins Haus. Sie sind so billig…

Wie oft habe ich mich schon über ein eigentlich eigentlich spannendes Schauerbuch geärgert, nur weil die unerklärlichen Phänomene dann auf einen alten Indianerfriedhof zurückzuführen waren? Angefangen mit Friedhof der Kuscheltiere, was ich mit dreizehn Jahren lesen mußte, um die Freundschaft einer Mitschülerin zu gewinnen (und sie war es ebensowenig wert wie das dazugehörige Buch), habe ich da eine Aversion entwickelt. Keine Indianer mehr für mich. Bis ich jetzt plötzlich ein Indianerbuch in Händen halte, über vierhundert Seiten dick und doch gelesen binnen eines Tages. Und alles nur wegen eines Covers, das nicht einmal wirklich gut zum Inhalt paßt, und wegen eines Titels, der dem englischen Original nicht das Wasser reichen kann.

"Garth Stein: Seelendiebe" vollständig lesen

Geschrieben von Buchmensch in Belletristik um 15:34 | Kommentare (0) | Trackbacks (0)
Tags für diesen Artikel: Alaska, Depressionen, Indianer, Katharsis, Mythologie, Otter, Schuld

Donnerstag, 16. August 2007

Maurice Sandoz: Das Labyrinth

Das LabyrinthFürwahr, ein mysteriöses Buch: Es geriet mir in der Bücherei in die Finger, ohne daß ich lange danach gesucht hätte, und ohne daß ich mich in den vergangenen Jahren jemals daran erinnert hätte, erkannte ich es doch sofort wieder: Das Labyrinth von Maurice Sandoz. Ein Buch, das ich Anfang der neunziger Jahre für längere Zeit ausgeliehen hatte - ich erinnere mich, wie es auf der Ablage neben meinem Bett stand zusammen mit den anderen ungelesenen Büchereibüchern, und dann muß ich es wohl, nach diversen Verlängerungen, der Bücherei zurückgegeben haben: Gelesen hatte ich es offenbar nicht, denn nichts vom Inhalt war auch nur irgendwie in meinem Kopf zurückgeblieben, und ich habe sonst ein gutes Gedächtnis, was Bücher angeht. Ich lieh es also wieder aus, vor einer Woche, um endlich das Lesen nachzuholen: Und als ich es aufschlug, erlebte ich eine Überraschung. Direkt auf dem Vorsatzblatt prangte ein mysteriöses Zeichen. Es sah aus wie ein M, in Bleistift in die rechte untere Ecke gezeichnet. Ich kannte dieses Zeichen. Es war mein eigenes.

So pflegte ich in meiner wildbewegten Jugend Bücher, die ich entliehen und gelesen hatte, zu kennzeichnen - nicht, um sie nicht versehentlich nochmal zu leihen, sondern um mein Revier zu markieren. So sind sie, die aufstrebenden Jungbibliothekarinnen (und ehe sich nun jemand aufregt, ich habe natürlich immer nur weiche Bleistifte benutzt - die hätten sich schnell wieder wegradieren lassen, ohne dem Buch zu schaden). Mein Zeichen in einem Buch ohne Erinnerung... Sollte ich es etwa doch schon gelesen haben? Meine Neugier war geweckt. Von allen spannend aussehenden Büchern, die ich diesmal mitgebracht hatte, machte ich mich über dieses als erstes her. Das Befremden blieb und wuchs. Kein Satz, kein Ereignis, keine Figur, die meiner Erinnerung Hallo sagten. Noch nie hatte ich ein Buch so völlig verdrängt wie dieses handliche Büchlein. Und als ich am Ende angekommen war, wußte ich auch wieder, warum. Nun kann Das Labyrinth wieder dreizehn Jahre im Dämmerschlaf des Unterbewußtseins verbringen. Aber bevor ich es nochmal lese, habe ich es nun zumindest schriftlich, daß ich es schon kenne. Und kann mir so anderthalb Stunden der gähnendsten Langeweile ersparen.

"Maurice Sandoz: Das Labyrinth" vollständig lesen

Geschrieben von Buchmensch in Mystery um 19:15 | Kommentare (0) | Trackbacks (0)
Tags für diesen Artikel: Familiengeheimnis, Geheimnisvolles Haus, Schottland, Schund
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