Bibliophilis 

Dienstag, 2. September 2008

Dorothy Canfield Fisher: Das allerbeste Apfelmus

Das allerbeste ApfelmusDa steht ein kleines Mädchen in einem buntbedruckten Baumwollkleid mitten in einem Kornfeld, eine Weizengarbe in Händen, und blickt irgendwie orientierungslos nach links aus dem Bild hinaus, auf jedenfall nicht dorthin, wo in schlecht kontrastierten roten Buchstaben der Titel des Buches steht... Wirklich, mit diesem Cover hätte ich das Buch noch nicht mal in der Bücherei angefaßt! Selten, von meiner Ausgabe von Daddy Langbein einmal abgesehen, hatte ich es hier mit einer derart verunglückten Buchgestaltung zu tun. Denn Betsy, die junge Heldin aus Das allerbeste Apfelmus, lebt lange vor bedruckten Baumwollkleidern und setzt auch das ganze Buch über keinen Fuß in ein Kornfeld - was weder ihr, noch der Geschichte abträglich ist.

Daß ich dieses Buch zu meinen allerliebsten Kinderbüchern zähle, verdankt es der Tatsache, daß das Exemplar in unserer Schülerbücherei deutlich ansprechender aussah. Daher wurde es auch viel gelesen - von mir nämlich. Einmal pro Schuljahr lieh ich es mir aus, und auf der Leihkarte konnte man schön beobachten, wie sich meine Handschrift vom sechsten bis zum zehnten Schuljahr veränderte - bis ich dann irgendwann nicht mehr zur Schule ging, sondern eine Buchhandelsausbildung machte, und auf die Idee kam, mir dieses Kleinod endlich selbst zuzulegen. Der Großhandelskatalog zeigte, zumindest damals, keine Cover. Denn, ganz ehrlich, wenn ich gewußt hätte, was mich erwartet - ich hätte mich lieber auf die Suche nach einem antiquarischem Exemplar gemacht. Oder noch besser dem englischen Original. Doch es war in dem Jahr, bevor ich mir das Internet nutzbar machte, und das heißt: Ich wußte es noch nicht besser. Aber Cover hin oder her - Understood Betsy ist eines der wundervollsten Kinderbücher, die je geschrieben wurden.

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Geschrieben von Buchmensch in Kinderbuch um 15:50 | Kommentar (1) | Trackbacks (0)
Tags für diesen Artikel: Landleben, Selbständigkeit, Waisenkind

Samstag, 30. August 2008

Gunilla Banks: Fräulein Lindbloms Klasse 2E

Fräelein Lindbloms Klasse 2EUnsere Pfarrbücherei, in die ich sehr oft ging, bevor ich Fahrschülerin wurde und mir mit meiner Monatskarte die große Stadtbücherei näherrückte, hatte sicher mehr als ein Dutzend Bücher, aber es ergab sich, daß ich mir irgendwie immer wieder die gleichen auslieh, mit schöner Regelmäßigkeit einmal pro Jahr. Am besten von allen gefiel mir Fräulein Lindbloms Klasse 2E - ein Kinderbuch, dessen Titel die gereimte Assoziation mit Fräulein Smillas Gespür für Schnee völlig unverdient weckt. Lange Jahre, nachdem ich der Pfarrbücherei entwachsen war, habe ich es mir dann endlich selbst gekauft und es nun, wiederum zehn Jahre später, noch einmal gelesen. Und es war wieder ein Vergnügen, aber diesmal mit einem anderen Hintergrund:

Ich wurde 1981 eingeschult, mitten im Ruhrgebiet, in Castrop-Rauxel-Ickern, Marktschule, und folglich war ich 1982 im zweiten Schuljahr, Klasse 2C bei Frau Holzapfel. Fräulein Lindblom ist 1978 erschienen - vier Jahre machen nicht viel aus, und somit sind dieses Buch und ich quasi Zeitgenossen. Jede Seite ließ mich Parallelen ziehen - war das bei uns damals auch so? Und war Frau Holzapfel nicht eine tolle Lehrerin? Und hatte ich in Ickern nicht die beiden besten Grundschuljahre, die sich ein Kind nur wünschen kann? Schwärmerei über Schwärmerei, bei der jedoch eines mehr und mehr offensichtlich wurde: Egal was auf dem Cover stehen mag, Fräulein Lindbloms Klasse 2E ist nicht »Die witzigste Schulgeschichte der Welt«. Und egal was im Klappentext steht, solch eine Lehrerin wünsche ich eigentlich niemandem.

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Geschrieben von Buchmensch in Kinderbuch um 14:03 | Kommentare (0) | Trackbacks (0)
Tags für diesen Artikel: Schule, Schweden

Freitag, 15. September 2006

Roald Dahl: Charlie und die Schokoladenfabrik

Zu Roald Dahl habe ich ein leicht gespaltenes Verhältnis. Als Kind konnte ich relativ wenig mit ihm anfangen und entdeckte ihn später als brillanten Zyniker mit Küßchen Küßchen. Ich halte ihn für einen guten, sogar einen herausragenden Autoren, aber ich glaube, es gibt bessere. Sein Sarkasmus wirkt manchmal aufgesetzt und sein Humor ist nicht immer der meine - ich mag es böse, aber nicht grausam; ich mag Nonsense, aber keine Albernheit. Nach der Verfilmung von Hexen Hexen beendete ich unsere Beziehung bis auf weiteres, um ihn Jahre später durch eine andere Verfilmung wiederzuentdecken: Charlie und die Schokoladenfabrik.

Ich bin mir sicher, daß ich dieses Buch schon Anfang der Neunziger einmal gelesen habe, aber es kann mich nicht wirklich vim Hocker gerissen haben, sonst wäre es mir besser im Gedächtnis geblieben. Der Film dagegen - der neue Film, mit Johnny Depp als Willy Wonka - begeisterte mich von vorn bis hinten: Brillante Story, Schauspieler, Regie, Einfälle... Und ich beschloß, das Buch noch einmal zu lesen. Am besten im englischen Original, aber ich nehme, was ich bekomme, und da die Bücherei es nur auf Deutsch hatte, so ist das immer noch besser als gar nichts. Ich las es also wieder nur auf Deutsch, und vielleicht ist das der Grund, warum ich jetzt sagen muß: Dies ist einer der seltenen Fälle, wo der Film besser ist als das Buch. Und zwar deutlich.

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Geschrieben von Buchmensch in Kinderbuch um 21:35 | Kommentar (1) | Trackbacks (0)
Tags für diesen Artikel: Armut, Nonsense, Wortwitz

Freitag, 25. August 2006

Barbara Wendelken: Eine Frühstücksfee für Julia

Eine Frühstücksfee für JuliaWenn man wie ich zehn Jahre lang Bücher nur verkauft, aber effektiv nie gelesen hat, sollte man ganz vorsichtig sein, wenn man dann doch mit dem Lesen wiederanfängt. Der Verdurstende, der aus der Wüste kommt, darf auch keine zehn Liter auf einmal trinken. So erschien es mir ganz sinnvoll, mir ein Buch für Leseanfänger vorzunehmen. Meine Kollegen guckten zwar ein bißchen seltsam, als ich ihnen demonstrierte, daß doch noch eine Leserin in mir steckt - wohlgemerkt, ich befand mich zum Zeitpunkt des Lesens als Praktikantin an der Verbuchungstheke einer Stadtbücherei, aber es war nicht viel los, und immer wenn Leser kamen - im Fachjargon: Benutzer - legte ich das Buch brav beiseite und kümmerte mich um Ausleihen und Rücknahmen. Sowas kann man nicht mit jedem Buch machen - aber wenn man über dreißig ist, und das Buch richtet sich an Sechsjährige, sollte das schon gehen.

Und es ging ganz gut. Denn trotz des ziemlich bescheuerten Titels Eine Frühstücksfee für Julia, der zu kitschig und zu niedlich klingt, ist es eine lesenswerte kleine Geschichte, in der überhaupt keine Feen vorkommen. Und - man glaube es oder nicht - ich entdeckte gravierende Parallelen zwischen der kleinen Heldin, Julia, und mir selbst.

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Geschrieben von Buchmensch in Kinderbuch um 22:24 | Kommentare (0) | Trackbacks (0)
Tags für diesen Artikel: Alleinerziehende, Schule
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