Bibliophilis 

Freitag, 26. August 2011

Alan Bradley: Mord im Gurkenbeet

Mord im GurkenbeetDieses Buch war gewissermaßen ein Kollateralschaden. Ich hatte schon lange keine Buchhandlung mehr betreten, als wir Anfang Februar in Hamburg wie ein durchgeknallter Mob durch Harburgs Buchläden zogen, um zu sehen, wo überall Die Blutgabe vorrätig war, das Buch meiner Freundin Grey, das in diesen Tagen veröffentlicht wurde. Wir, das war ein ganzer Haufen an Autoren, sieben oder acht Leute, und leider hatten die meisten Läden das Buch noch nicht vorrätig - aber dafür stieß ich auf die mir völlig unbekannte Flavia de Luce und ihren ersten Fall, Mord im Gurkenbeet. Das Buch sah ansprechend aus, ich las den Klappentext, und packte es bei nächster Gelegenheit zusammen mit seiner Fortsetzung auf meinen Wunschzettel. Und ich hatte Glück: Zu meinem Geburtstag im April bekam ich es von meiner Schwester geschenkt. Dass ich es jetzt vor der Blutgabe rezensiere, ist letztlich ungerecht, aber dafür kenne ich hier den Autor nicht und muss auch nicht Angst haben, was er von meiner Rezension halten könnte.

Normalerweise, vor allem, wenn ich mir Bücher zulege und sie nicht nur aus der Bücherei hole, achte ich darauf, englische Bücher im Original zu lesen - zu oft habe ich mich schon über schlechte Übersetzungen geärgert. Bei Flavia habe ich eine Ausnahme gemacht: Zwar finde ich den englischen Titel, The Sweetness at the Bottom of the Pie großartig und besser als den Deutschen - dafür ist die Aufmachung der deutschten Ausgabe so viel schöner, dass ich dieses Mal nach Auge entschieden habe. Hier zeigt das Cover ein strenges kleines Mädchen mit Zöpfen, die ein wenig aussieht wie Wednesday Adams - und tatsächlich sieht sie mehr wie Wednesday Adams aus als wie Flavia de Luce, die. wie man schnell erfährt, Brille und Zahnspange trägt, aber wenn ich mich jetzt darüber ärgere, bin ich selbst schuld, also lasse ich es sein. Cover hin oder her, Mord im Gurkenbeet ist ein nettes Buch. Leider ist es nicht mehr als das.

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Tags für diesen Artikel: Briefmarken, Gift, Internat, Landhausmord

Freitag, 17. Oktober 2008

Margery Allingham: Ein böser Nachbar

Ein böser NachbarNachdem ich vor zwei Jahren dann doch gescheitert bin in meinem Ansinnen, alle Bücher Margery Allinghams zu lesen und zu rezensieren, nachdem Christoph aus München zurück war und ich keine sechsstündigen Bahnfahrten mehr zu absolvieren hatte, gibt es nun einen neuen Anlauf. Nach wie vor ist meine Begeisterung für diese britische Autorin ungebrochen, und nachdem jetzt Dorothy Sayers bei mir erste Abstriche am Image hinnehmen mußte, widme ich mich nun also wieder ihrer unbekannten Konkurrentin: Und so folgt auf Sayers Erstling nun der erste Kriminalroman Allinghams.

Ein böser Nachbar ist ein Roman, der in vielerlei Hinsicht den Vergleich mit ein Toter zuwenig scheuen muß, aber auch mit seinen eigenen Nachfolgern um den undurchsichtigen Privatermittler Albert Campion. Nicht nur ist das Buch mit knapp 160 Seiten deutlich dünner als die meisten Krimis, es ist auch in seiner Entstehungsgeschichte nicht mit einem durchgeplanten, geschriebenen und überarbeiteten Roman zu vergleichen. Vor seiner Veröffentlichung als Buch im Jahr 1928 war The White Cottage Mystery als Fortsetzungsroman im Daily Express veröffentlicht worden, und Trotz einer späteren Überarbeitung durch Allinghams Schwester Joyce, bei der die typischen Was-bisher-geschah-Einführungen am Anfang der einzelnen Kapitel herausgekürzt wurden, bleibt der Kolportage-Charakter des Buches durchgehend spürbar. Aber typisch für Kolportageromane sind nicht nur die sehr kurzen und ziemlich exakt gleich langen Kapitel und oft das Gefühl, daß das Ende nicht so recht mehr zum Anfang passen mag, sondern auch besonders gute Lesbarkeit und Spannung bis zum Schluß - ein Fortsetzungsroman darf sich keine langsatmigen Strecken erlauben, auch wenn die Spannung gewöhnlich auf Kosten des Anspruchs geht. So ist auch Ein böser Nachbar leichte Kost - bis hin zu dem äußerst wagemutigen Ende: Denn nach dem Finale hat eine Kolportageautorin nichts mehr zu verlieren.

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Geschrieben von Buchmensch in Krimi um 21:18 | Kommentare (2) | Trackbacks (0)
Tags für diesen Artikel: Landhausmord, Organisiertes Verbrechen

Sonntag, 12. Oktober 2008

Dorothy L. Sayers: Ein Toter zuwenig

Ein Toter zuwenigDorothy L. Sayers gehört zu den ganz großen Damen der britischen Kriminalliteratur. Sie hat nicht so viele Bücher geschrieben wie Agatha Christie - bei weitem nicht - aber dafür bringt sie den höheren literarischen Anspruch mit, spickt ihre Bücher mit Anspielungen und Zitaten und nimmt es am Ende so ernst mit ihrer Literatur, daß sie das Krimischreiben drangibt und nur noch religiös-philosophische Schriften verfaßt. Doch egal, wie es zu Ende ging - ihren Verdienst um den Kriminalroman kann man ihr nicht absprechen, und sie hat vielen Autorinnen klassischer Krimis den Weg geebnet.

Auch ich verdanke ihr viel: Ihre Krimis waren die ersten, die meine Eltern mich lesen ließen, als ich mit gut vierzehn Jahren meinte, ich wäre nun aus den Drei Fragezeichen rausgewachsen und wolle gern auch mal etwas mit richtigen Morden lesen - da gaben sie mir Ein Toter zuwenig zu lesen, und erst als ich schon mehr als halb durch war, merkten sie, daß es vielleicht doch nicht die weiseste Wahl war, denn das Schicksal des Sir Reuben ist doch eines von der grauslicheren Sorte... Aber es scheint mir nicht geschadet zu haben, begründete mein bis heute ungebrochenes Interesse an der Gerichtsmedizin im Besonderen und am klassischen englischen Kriminalroman im Allgemeinen, und ich finde es immer noch am Besten, bei einer Krimireihe auch mit dem ersten Band anzufangen. Seither habe ich Ein Toter zuwenig bestimmt vier- oder fünfmal gelesen, öfter als jeden anderen Band der Reihe, weil es immer der erste Krimi ist, zu dem ich im Krankheitsfall greife. Und nun, da mich die Grippe gepackt hat, war es wieder einmal soweit: Und so las ich, zum ersten Mal seit bestimmt zwölf Jahren, den ersten Fall der adligen Spürnase Lord Peter Wimsey.

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Geschrieben von Buchmensch in Krimi um 16:29 | Kommentare (0) | Trackbacks (0)

Montag, 11. Dezember 2006

Margery Allingham: Zur Hochzeit eine Leiche

Zur Hochzeit eine LeicheIn ein paar Wochen werde ich dieses Buch wohl nochmal lesen müssen, nämlich dann, wenn es chronologisch nach der Allingham-Bibliographie an der Reihe ist. Ich habe mit der Lektüre der Handlung nämlich um schändliche elf Jahre vorgegriffen. Nicht aus böser Absicht, sondern aus Verzweiflung: Denn eigentlich hatte ich nicht vor, im Zug von Offenburg ins heimische Münsterland überhaupt zu lesen. Schreiben wollte ich. Aber der Platz reichte nicht aus. Zwar war es mir gelungen, einen Abteilplatz im Intercity zu buchen, aber da hörte es auch schon auf mit Bewegungs- und Beinfreiheit. Eingezwängt zwischen dicken Männern griff ich schließlich taschendiebgleich in meinen Koffer und zerrte das erstbeste Buch heraus, das ich erreichen konnte.

Schließlich hatte mich Christoph wieder reich versorgt an ausgelesenen Campions. Aber er hat doch inzwischen schon einen stattlichen Vorsprung von sechs Bänden erarbeitet. Wenigstens erwischte ich nicht Überstunden für den Totengräber von 1948, aber 1945 wurde es dann doch schon. Passenderweise ist Zur Hochzeit eine Leiche auch das erste Allingham-Buch, das ich mir kaufte (nicht das erste, das ich las, dafür hatte die Stadtbücherei gesorgt), und ich erinnerte mich nur noch, daß ich es 1993 halbwegs langweilig fand. Da mir aber der letzte Satz noch im Kopf war, mußte ich es auch damals schon bis zum Ende gelesen haben, nur der Mittelteil war mir komplett entfallen. Oder hatte ich ihn nie gelesen? Das Buch ist nämlich vieles, aber sicher nicht langweilig. Dafür sorgt schon das Schwein.

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Geschrieben von Buchmensch in Krimi um 21:48 | Kommentare (0) | Trackbacks (0)
Tags für diesen Artikel: Kunstschätze, London, Organisiertes Verbrechen, Zweiter Weltkrieg

Mittwoch, 1. November 2006

Margery Allingham: Süße Gefahr

SüßeEin Seriendetektiv, der eine Buchreihe über mehrere Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, tragen will, braucht entweder einen sehr starken oder einen sehr schwachen Charakter. Gerade das Finden eines Lebenspartners gestaltet sich dadurch ziemlich schwierig. Poirot war Zeit seines Lebens nur mit seinen Kürbissen verheiratet, für Lord Peter mußte es gleich eine Mordverdächtige sein, und Columbos Ehefrau besticht durch permanente Abwesenheit. Auch Albert Campion ist jetzt um die Dreißig, da ist es an der Zeit, sich um so etwas Gedanken zu machen.

In Gefährliches Landleben wurde er schwer enttäuscht, in Der Hüter des Kelchs skandiert er melancholisch: »In meinem Hamlet hat Ophelia Macbeth geheiratet« - und man ahnt bereits, daß es für ihn schwer wird. Albert braucht nicht irgendein süßes Mäuschen, sondern eine Frau, die ihm ebenbürtig ist, und das will heißen: Genauso genial und genauso bescheuert. Und jetzt, im vierten Fall, ist es an der Zeit, daß sie die Bildfläche betritt. Auch wenn bis zur Hochzeit noch ein paar Jahre ins Land gehen werden: Denn nicht nur ahnen beide - anfangs - wenig von ihrem Glück, die Auserwählte ist auch gerade erst ein Mädchen von siebzehn Jahren.

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Geschrieben von Buchmensch in Krimi um 12:49 | Kommentare (0) | Trackbacks (0)
Tags für diesen Artikel: Kunstschätze, Organisiertes Verbrechen, Sammelqueste, Verlorenes Erbe

Samstag, 28. Oktober 2006

Margery Allingham: Polizei am Grab

Polizei am GrabIn seinem dritten Abenteuer verirrt sich Albert Campion nach Cambridge, und dieses Gefühl der Verirrtheit zieht sich durch das ganze Buch, obwohl man meinen sollte, daß hier jeder, Albert eingeschlossen genau da ist, wo er hingehört. Aber der hat nicht nur sein Faktotum Lugg zuhause gelassen, niemand meldet sich mit einem launigen »Aphrodite Kleisterwerke« am Telefon, niemand klaut Fahrräder oder bricht beiläufig irgendwo ein - nein, Campion steckt mitten im Sumpf der intellektuellen High Society, als gehöre er nirgendwo anders hin. Man kennt ihn. Die alte Hausherrin redet ihn gelegentlich mit Rudolph an, seinem richtigen Vornamen (den Nachnamen erfahren wir auch hier hartnäckig nicht), und er hat keinen Grund, den Schwachsinnigen zu spielen - niemand ist da, um es ihm abzukaufen, hat ihn doch ein alter Studienfreund um Hilfe gebeten. Vieles, eigentlich alles, Albertesque fehlt in diesem Buch, und mit ihm der Witz. Polizei am Grab ist ein intelligenter und gut geschriebener Krimi voller interessanter Persönlichkeiten, aber leider ein Buch, das mit seinen Vorgängern nicht mithalten kann.

Vielleicht liegt es am Setting: Das verknöcherte Cambridge kann nicht mithalten mit dem ländlichen Charme von Gefährliches Landleben und Der Hüter des Kelchs. Vielleicht ist ein einfacher verschwundener Onkel und ein bißchen Mord auch einfach zu wenig für den guten Albert, der seine Freunde und Leser längst an das organisierte Verbrechen und die großen Gangsterbosse gewöhnt hat. Vielleicht gibt es einfach zu wenig haarsträubende Action. Vielleicht wollte aber auch die Autorin ihre Vielseitigkeit beweisen, und zeigen, daß sie mehr kann, als intelligente Schenkelklopfer zu liefern. Und wenn das ihr Ansinnen war, so ist es ihr gelungen.

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Geschrieben von Buchmensch in Krimi um 11:54 | Kommentare (0) | Trackbacks (0)
Tags für diesen Artikel: Familiengeheimnis, Landhausmord

Freitag, 6. Oktober 2006

Margery Allingham: Der Hüter des Kelchs

Der Hüter des KelchsOb Der Hüter des Kelchs tatsächlich der direkte Nachfolger von Gefährliches Landleben ist, kann ich nicht genau sagen - er ist 1931 erschienen, wie auch Polizei am Grab, und die unterschiedlichen Bibliographien lassen jedem der beiden Bücher mal den Vortritt. Ich hoffe jedoch, die richtige Reihenfolge gewählt zu haben, und die Tatsache, daß Alberts Liebeskummer noch frisch ist, scheint mir Recht zu geben.

Auch ich hatte Kummer in Zusammenhang mit diesem Buch, mußte ich es doch, auch wenn ich schon mehr als zwei Drittel davon verschlungen hatte, in München zurücklassen und bekam es erst am vergangenen Wochenende wieder, von Christoph ausgelesen. Und um mir wirklich noch weiter voraus zu sein, hatte er auch noch Polizei am Grab und Süße Gefahr fertig - Alberts Persönlichkeit scheint besorgniserregend auf ihn abzufärben. Doch ich konnte mich revanchieren: Wie durch Zufall hatte ich vergessen, ihm die weiteren Bände mitzubringen, so daß ich jetzt ein paar Wochen Zeit habe, mich durch die komplette Allingham zu arbeiten. Danach werde ich ihm die Bücher gerne für eine Weile überlassen. Solange es nicht wieder zehn Jahre dauert, bis ich sie noch einmal lese...

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Geschrieben von Buchmensch in Krimi um 21:19 | Kommentare (0) | Trackbacks (2)
Tags für diesen Artikel: Familiengeheimnis, Organisiertes Verbrechen
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