Bibliophilis 

Samstag, 24. September 2011

Carlos Ruiz Zafón: Der dunkle Wächter

Der dunkle WächterLange wusste ich nicht, wie und wo ich dieses Buch einsortieren sollte. Zafón schreibt Phantastik, wird aber allüberall unter ‘Literatur’ geführt - was für mich kein Widerspruch ist, aber schon von der Aufmachung des Buches her, sowohl in der regulären Ausgabe als auch in der Büchergilden-Ausgabe, die ich besitze und die, für die Büchergilde untypisch, keinen Schönheitspreis gewinnt, sieht das nicht nach Fantasy aus. Es geht um ein geheimnisvolles Haus, um mechanische Puppen, und damit hat es eigentlich alles, was ich liebe: Wenn es dann auch noch literarisch anspruchsvolle Fantasy ist, müsste ich eigentlich restlos begeistert sein. Und doch, als ich endlich am Ende des dicken, aber großgedruckten Buches angekommen war, wollte sich weniger Begeisterung einstellen als mehr ein generell schaler Geschmack.

Nachdem es mehr als ein Jahr ungelesen im Regal gestanden habe, ging das eigentliche Lesen dann sehr schnell, auf der Rückfahrt von München. Die Geschichte einer Witwe mit zwei Kindern, die Arbeit findet im Haus eines geheimnisvollen, zurückgezogen lebenden ehemaligen Spielzeugfabrikanten, in dessen Haus es vor Automatoi nur so wimmelt und in dem ein Flügel niemals betreten werden kann, benutzt die klassischen Mystery-Motive, mit denen ich auch gerne spiele. Die Rolle der jungen Unschuld wird hier von der halbwüchsigen Tochter übernommen, für die auch gleich ein kerniger Bursche in Gestalt des schweigsamen Fischers bereitssteht, und als dann das Dienstmädchen eines ebenso tragischen wie geheimnisvollen Todes stirbt und ein altes Tagebuch auftaucht, kommt ein altes Übel aus der Verganghenheit wieder ans Tageslicht… Blah. Der Plot bietet nichts, was das Buch aus dem üblichen Horrorhaus-Einheitsbrei hervorheben würde, und der literarische Ruhm des Buches erscheint mir wie unbegründete Vorschusslorbeeren.

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Geschrieben von Buchmensch in Mystery um 03:15 | Kommentare (2) | Trackbacks (0)
Tags für diesen Artikel: Geheimnisvolles Haus, Puppen

Donnerstag, 16. August 2007

Maurice Sandoz: Das Labyrinth

Das LabyrinthFürwahr, ein mysteriöses Buch: Es geriet mir in der Bücherei in die Finger, ohne daß ich lange danach gesucht hätte, und ohne daß ich mich in den vergangenen Jahren jemals daran erinnert hätte, erkannte ich es doch sofort wieder: Das Labyrinth von Maurice Sandoz. Ein Buch, das ich Anfang der neunziger Jahre für längere Zeit ausgeliehen hatte - ich erinnere mich, wie es auf der Ablage neben meinem Bett stand zusammen mit den anderen ungelesenen Büchereibüchern, und dann muß ich es wohl, nach diversen Verlängerungen, der Bücherei zurückgegeben haben: Gelesen hatte ich es offenbar nicht, denn nichts vom Inhalt war auch nur irgendwie in meinem Kopf zurückgeblieben, und ich habe sonst ein gutes Gedächtnis, was Bücher angeht. Ich lieh es also wieder aus, vor einer Woche, um endlich das Lesen nachzuholen: Und als ich es aufschlug, erlebte ich eine Überraschung. Direkt auf dem Vorsatzblatt prangte ein mysteriöses Zeichen. Es sah aus wie ein M, in Bleistift in die rechte untere Ecke gezeichnet. Ich kannte dieses Zeichen. Es war mein eigenes.

So pflegte ich in meiner wildbewegten Jugend Bücher, die ich entliehen und gelesen hatte, zu kennzeichnen - nicht, um sie nicht versehentlich nochmal zu leihen, sondern um mein Revier zu markieren. So sind sie, die aufstrebenden Jungbibliothekarinnen (und ehe sich nun jemand aufregt, ich habe natürlich immer nur weiche Bleistifte benutzt - die hätten sich schnell wieder wegradieren lassen, ohne dem Buch zu schaden). Mein Zeichen in einem Buch ohne Erinnerung... Sollte ich es etwa doch schon gelesen haben? Meine Neugier war geweckt. Von allen spannend aussehenden Büchern, die ich diesmal mitgebracht hatte, machte ich mich über dieses als erstes her. Das Befremden blieb und wuchs. Kein Satz, kein Ereignis, keine Figur, die meiner Erinnerung Hallo sagten. Noch nie hatte ich ein Buch so völlig verdrängt wie dieses handliche Büchlein. Und als ich am Ende angekommen war, wußte ich auch wieder, warum. Nun kann Das Labyrinth wieder dreizehn Jahre im Dämmerschlaf des Unterbewußtseins verbringen. Aber bevor ich es nochmal lese, habe ich es nun zumindest schriftlich, daß ich es schon kenne. Und kann mir so anderthalb Stunden der gähnendsten Langeweile ersparen.

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Geschrieben von Buchmensch in Mystery um 19:15 | Kommentare (0) | Trackbacks (0)
Tags für diesen Artikel: Familiengeheimnis, Geheimnisvolles Haus, Schottland, Schund

Montag, 19. Februar 2007

John Harwood: Das Haus der vergessenen Bilder

Das Haus der vergessenen BilderSo eine Bahnreise nach München ist immer ein Grund, vier Bücher innerhalb von wenigen Tagen zu lesen: Zwei auf der Hinfahrt, zwei auf der Rückfahrt. Soweit der Plan, und so war ich diesmal gut eingedeckt mit Literatur. Das Haus der vergessenen Bilder sollte das erste auf der Rückfahrt sein, dann wurde es aber das einzige: Ich hatte seine Dicke unterschätzt. Aber auch seine Spannung.

Wie bei allen Büchern, deren deutscher Titel mit Das Haus der/des ... beginnt, muß ich aber auch hier wieder über die Namenswahl meckern: Dieses hier heißt im Original The Ghost Writer, und dieser Titel ist wirklich perfekt gewählt, treffend und vielseitig. Vergessene Bilder paßt dagegen nicht so. Zwar spielen Bilder im ganzen Buch eine große Rolle, alle in die Rahmenhandlung eingebauten Geistergeschichten handeln irgendwie von Bildern, und trotzdem: Im Vergleich zum Original ist es nicht das Wahre. Allerdings hätte das Buch mit einem anderen, weniger stereotypen Titel, nicht in mein Mystery-Beuteschema gepaßt und wäre nicht so ohne weiteres von mir ausgeliehen worden. Ich war ja wieder auf der Suche nach geheimnisvollen Häusern und nichts nach irgendwelchen Geistergeschichten. So aber kam ich endlich einmal auf meine Kosten, und dazu noch an ein wirklich gutes Buch.

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Geschrieben von Buchmensch in Mystery um 16:40 | Kommentare (3) | Trackbacks (0)
Tags für diesen Artikel: Australien, Bibliothek, Familiengeheimnis, Geheimnisvolles Haus, Körperbehinderung

Freitag, 16. Februar 2007

Barbara Michaels: Haus der Wiederkehr

Haus der WiederkehrAuf den ersten Blick mangelt es diesem klassischen Schauerroman an nichts: Da gibt es ein geheimnisvolles Haus, eine Scéance, Besessenheit, echte Geistererscheinungen und ein düsteres Geheimnis. Auf den zweiten Blick fehlt dann aber doch etwas, und etwas Entscheidendes: Der Schauer selbst. Während der Lektüre vom Haus der Wiederkehr hatte ich für eine Dauer von ungefähr drei Minuten wirkliche Angst: Nämlich, als der ICE, in dem ich saß, durch einen sehr langen Tunnel fuhr, während plötzlich deutlicher Brandgeruch aus der Klimaanlage strömte. Und das hatte wahrlich nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun.

Dabei ist mir wirklich leicht Angst zu machen, auch auf Zugfahrten. Zum Beispiel traute ich mich im Herbst 1995 nicht, in Köln-Mülheim aus der S-Bahn zu steigen, während ich Spuk in Hill House von Shirley Jackson las - denn dort hätte ich, um zur Bushaltestelle zu kommen, durch eine schlecht beleuchtete Unterführung gehen müssen: Allein die Vorstellung versetzte mich so sehr in Panik, daß ich lieber zehn Minuten weiter in der Bahn sitzen blieb, am Kölner Hauptbahnhof in eine U-Bahn stieg und einen Umweg von mehr als einer halben Stunde in Kauf nahm. So gruselig war dieses Buch. Über Haus der Wiederkehr läßt sich jedoch nur eine wirklich positive Sache sagen: Durch eine der in dieser Geschichte zahlreich gestreuten Anspielungen habe ich von einem weiteren Buch Shirley Jacksons erfahren, das ich noch nicht kenne: The Sundial. Das könnte ein wirklich guter Schauerroman sein. Und Hill House sollte ich auch mal wieder lesen.

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Geschrieben von Buchmensch in Mystery um 15:27 | Kommentare (0) | Trackbacks (0)
Tags für diesen Artikel: Besessenheit, Geheimnisvolles Haus, Geistererscheinung, Schund

Montag, 8. Januar 2007

Wilkie Collins: Das Geheimnis des Myrtenzimmers

Das Geheimnis des MyrtenzimmersWer Bücher über morsche Herrenhäuser und dunkle Familiengeheimnisse liebt, der kommt an Wilkie Collins nicht vorbei. Der viktorianische Engländer machte das Genre der bekannten und besonders bei Frauen beliebten Gothic Novels zu Mystery Thrillern - und nicht nur hat sich diese Bezeichnung bis heute gehalten, Collins ist auch immer noch ihr wertvollster und wichtigster Vertreter. Selbst wer Mystery-Romane gemeinhin als Schund bezeichnet, hat meist noch den Anstand, zumindest Wilkie Collins davon auszunehmen - zumindest Die Frau in Weiß gilt als ein unverzichtbarer Klassiker der Spannungs- und Abenteuerliteratur, und mit dem Buch Der Monddiamant liefert Wilkie Collins einen richtigen Krimi, bevor es das Genre als solches überhaupt gab.

Und auch ich bin natürlich nicht an diesem Autor vorbeigekommen, und wenn ich auch selbst als Mystery-Leserin immer nur Spott für das Genre übrig hatte, war doch auch ich immer bereit, Collins zu schonen und zu loben. Ich erinnere mich noch, wie ich als Oberstufenschülerin während einer Freistunde auf einer Bank in der Fußgängerzone hockte und völlig selbstvergessen in der Frau in Weiß schmökerte, bist ich nach guten ztweihundert Seiten des doppelbändigen Werks auf und zur Rathausuhr blickte und begriff, daß ich gerade auch noch die nächste Stunde verpaßt hatte... Oder wie mich ich als junge Studentin glühenden Herzens durch Der Rote Schal schlang, gefesselt und stets den Tränen nahe...

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Geschrieben von Buchmensch in Mystery um 22:15 | Kommentar (1) | Trackbacks (0)
Tags für diesen Artikel: Depressionen, Familiengeheimnis, Geheimnisvolles Haus, Viktorianische Ära, Wahnsinn, Waisenkind

Donnerstag, 14. Dezember 2006

Margot Bérard: Das Haus der Kolibris

Das Haus der KolibrisDieses Buch ist schon lange in meinem Besitz, seit ich es 1994 oder 1995 für eine Mark in der Wühlkiste der Stadtbücherei erstanden habe. Was jetzt kein unglaubliches Schnäppchen ist, denn der aufgedruckte Ladenpreis beträgt auch nur drei Mark (West, muß man dabeisagen, denn das Buch ist von 1977). Es ist wieder so ein Fall von Schmöker ohne großen Qualitätsanspruch, dunkles Familiengeheimnis und altes Haus inbegriffen. Oder auch kein Schmöker, denn dafür ist Das Haus der Kolibris zu dünn - mit nur 145 Seiten stellt es wohl ein Mittelding zwischen Heftchenroman und richtigem Buch dar. Und natürlich habe ich es dann nie gelesen - aber auch das stimmt nicht ganz. Ich habe das Impressum gelesen, mich gewundert, gelacht, und so kam das Werk zu zweifelhaftem Ruhm, als ich es im Fach Bibliotheksrecht als Fallbeispiel zu einer Fachfrage zitierte. Hier ist das Zitat:

»Unsere Romanserien dürfen in Leihbüchereien nicht verliehen und nicht zum gewerbmäßigen Umtausch verwendet werden; der Wiederverkauf ist verboten.« Hat sich die Stadtbücherei also strafbar gemacht, als sie es mir verkaufte? Natürlich nicht. Dieses Passus ist nichtig. Eine Bücherei darf jedes Buch, das sie erworben hat, auch verleihen. Und natürlich darf jeder ein Buch, das er nicht mehr haben will, wiederverkaufen. Vielen Dank, Professor Peters! Das habe ich nie vergessen. Und auch der Erich Pabel Verlag, in dessen Reihe Gaslicht dieser Titel erschienen ist, hätte das eigentlich wissen müssen. Aber man kann es ja wenigstens mal versuchen.
So kam es jedenfalls, daß dieses Buch zwischen all den anderen ungelesenen Büchern einen Sonderstatus innehatte. Und jetzt - schon! - habe ich es dann auch gelesen.

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Geschrieben von Buchmensch in Mystery um 10:54 | Kommentare (0) | Trackbacks (0)
Tags für diesen Artikel: Familiengeheimnis, Geheimnisvolles Haus, Schund, Wahnsinn

Montag, 25. September 2006

Victoria Holt: Das Haus der Sieben Elstern

Das Haus der Sieben ElsternIch habe nie erwartet, daß dies ein gutes Buch sein würde. Tatsächlich rechnete ich mit dem Schlimmsten, als ich es aus der Bücherei mitnahm - aber ich wollte einen Schmöker, in dem sich alte Familiengeheimnisse um ein noch älteres Haus ranken, und da erschien es mir geeignet. Es gibt viele solcher Haus-Geheimnis-Bücher, und sie machen mir für gewöhnlich zumindest Spaß. Ich mag geheimnisvolle Häuser. Und da es am Ende ohnehin an die Bücherei zurückgeht, kann es ruhig schlecht sein.

Nun hatte ich ja alle Allingham-Bücher in München zurücklassen müssen - bis auf Gefährliches Landleben, aber das kannte ich ja schon - und brauchte für die Rückfahrt etwas zum Lesen. Sechseinhalb Stunden Zugfahrt sind kein solches Vergnügen, wenn man nichts zu tun hat, und so nahm ich mir Das Haus der Sieben Elstern vor. Ich erwartete nichts - und das bekam ich dann auch.

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Geschrieben von Buchmensch in Mystery um 12:41 | Kommentare (0) | Trackback (1)
Tags für diesen Artikel: Familiengeheimnis, Geheimnisvolles Haus, Schund, Viktorianische Ära, Waisenkind
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