bookmark_borderBen Guterson: Winterhaus

Elizabeth Somers Onkel und Tante, bei denen das Mädchen als Waise lebt, fahren ohne sie in die Weihnachtsferien und hinterlassen ihr nichts als eine Busfahrkarte und Anweisungen, wie sie ihr Feriendomizil, das Hotel Winterhaus, erreichen kann. Dabei wäre Elizabeth lieber allein zu Hause geblieben, um endlich in Ruhe ihre Büchereibücher lesen zu können – aber weil ihr nichts anderes übrigbleibt, macht sie sich auf den Weg in das geheimnisumwitterte Grandhotel, wo sie neue Freunde findet und die Ferien ihres Lebens verbringt. Spätestens die gewaltige Hotelbibliothek überzeugt sie, dass sie da nie wieder weg will. Und mir geht es gerade genauso.

So hat dieses Buchblog vor bald zwanzig Jahren angefangen: Mit Büchern, die ich mir aus der Stadtbücherei ausgeliehen und rezensiert habe. Damals war ich seit über einem Jahr arbeitslos und hoffte, über ein Praktikum endlich in meinem studierten Beruf als Bibliothekarin Fuß fassen zu können. Buchblogs waren damals noch etwas ganz Neues, und wäre ich dabei geblieben, statt das Blog über Jahre brachliegen zu lassen, wäre Bibliophilis heute vielleicht eine Institution. So aber bin ich erst seit zwei Jahren wieder regemäßig dabei und muss mir langsam wieder alles neu aufbauen. Selbst schuld.

Aber jetzt geht es zurück zu den Wurzeln: Neben aktuellen Titeln und solchen, die seit Jahren ungelesen bei mir im Regal rumstehen, gibt es jetzt auch wieder Rezensionen zu Büchereibüchern. Und der Grund dafür ist ein sehr schöner: Fast zwanzig Jahre nach diesem Praktikum habe ich nämlich endlich, endlich, endlich eine Stelle in einer Kleinstadtbücherei, genau das, was ich immer machen wollte (neben dem Bücherschreiben, aber das mache ich ja sowieso und auch weiterhin).… Weiterlesen “Ben Guterson: Winterhaus”

bookmark_borderMaria Z. Medina: Mistress of Bones

Als ich vor zwei Jahren nach langer Pause wieder mit dem Lesen angefangen habe, war das erste Buch The Gilded Crown, die Geschichte einer jungen Frau, die Tote wieder zum Leben erwecken kann und in höfische Intrigen verwickelt wird. Jetzt habe ich Mistress of Bones gelesen, die Geschichte einer jungen Frau, die Tote wiederbelebt und in höfische Intrigen verwickelt wird. Nekromantenromane sind gerade im Trend, so viel habe ich verstanden, und ich habe noch mehr Bücher mit dem Thema auf meinem SuB liegen, die kommen also noch dran. Aber sowohl The Gilded Crown als auch Mistress of Bones haben von Aufmachung und Klappentext Sachen versprochen und dann nicht gehalten – und im Fall von Mistress of Bones kann ich sagen, dass es dem Buch gut getan hat.

Die Geschichte spielt in einer spanisch angehauchten Fantasywelt – Autorin Medina ist selbst Spanierin – die auf den buchstäblichen Knochen der Götter, Anker genannt, errichtet worden ist. Die Menschen im Königreich Sancia, gierig wie sie sind, treiben Raubbau am leibhaftigen Fundament ihrer Welt, wodurch schon ganze Städte weggebrochen und in den bodenlosen Abgrund gestürzt sind, woraufhin dort ein Anker-Abbau-Verbot verhängt worden ist, das jetzt aber, zwei Jahre nach dem vorzeitigen Ableben der Königin, wackelt. Ganz anders hingegen das Land Valanje, wo der Herr des Todes verehrt wird: Da käme man nicht auf die Idee, in die göttlichen Knochen hineinzufräsen, und die Abgesandten des Todes genießen hohes Ansehen.

So ein Abgesandter ist Enjul, und er nimmt seinen Job ernst. Aus der Beschreibung seiner Augen, mit goldener Iris und einem violetten Ring darum, hätte ich ein Trinkspiel machen können, so oft werden sie erwähnt.… Weiterlesen “Maria Z. Medina: Mistress of Bones”