bookmark_borderMaria Z. Medina: Mistress of Bones

Als ich vor zwei Jahren nach langer Pause wieder mit dem Lesen angefangen habe, war das erste Buch The Gilded Crown, die Geschichte einer jungen Frau, die Tote wieder zum Leben erwecken kann und in höfische Intrigen verwickelt wird. Jetzt habe ich Mistress of Bones gelesen, die Geschichte einer jungen Frau, die Tote wiederbelebt und in höfische Intrigen verwickelt wird. Nekromantenromane sind gerade im Trend, so viel habe ich verstanden, und ich habe noch mehr Bücher mit dem Thema auf meinem SuB liegen, die kommen also noch dran. Aber sowohl The Gilded Crown als auch Mistress of Bones haben von Aufmachung und Klappentext Sachen versprochen und dann nicht gehalten – und im Fall von Mistress of Bones kann ich sagen, dass es dem Buch gut getan hat.

Die Geschichte spielt in einer spanisch angehauchten Fantasywelt – Autorin Medina ist selbst Spanierin – die auf den buchstäblichen Knochen der Götter, Anker genannt, errichtet worden ist. Die Menschen im Königreich Sancia, gierig wie sie sind, treiben Raubbau am leibhaftigen Fundament ihrer Welt, wodurch schon ganze Städte weggebrochen und in den bodenlosen Abgrund gestürzt sind, woraufhin dort ein Anker-Abbau-Verbot verhängt worden ist, das jetzt aber, zwei Jahre nach dem vorzeitigen Ableben der Königin, wackelt. Ganz anders hingegen das Land Valanje, wo der Herr des Todes verehrt wird: Da käme man nicht auf die Idee, in die göttlichen Knochen hineinzufräsen, und die Abgesandten des Todes genießen hohes Ansehen.

So ein Abgesandter ist Enjul, und er nimmt seinen Job ernst. Aus der Beschreibung seiner Augen, mit goldener Iris und einem violetten Ring darum, hätte ich ein Trinkspiel machen können, so oft werden sie erwähnt.… Weiterlesen “Maria Z. Medina: Mistress of Bones”

bookmark_borderAntonia Hodgson: The Raven Scholar

Siebenmal haben die Wächter – Rabe, Fuchs, Tiger, Ochse, Bär, Affe, Hund und Drache – das Land Orrun gerettet. Wenn sie das nächste Mal zurückkehren, werden sie es zerstören. Darum werden sie immer nur mit dem vorsichtigen Zusatz »und mögen sie verborgen bleiben« angerufen. Wenn der Kaiserthron neu besetzt wird – was spätestens alle vierundzwanzig Jahre passiert – konkurrieren die Vertreter der Wächter-Orden (minus der Drachen, die den Thron nicht begehren) um den Titel. Jetzt ist es wieder so weit, Bärenkaiser Bersum dankt ab, und die Kandidaten stehen bereit – aber ein brutaler Mord erschüttert nicht nur das Festival, sondern das Land in seinen Grundfesten …

Zwei Jahre ist es jetzt her, dass ich nach der langen Pause wieder mit dem Lesen angefangen habe, aber so ein richtig langes Buch von mehr als 500 Seiten habe ich noch nicht wieder gelesen. Mehrere dicke Wälzer habe ich angefangen, keines zu Ende gebracht – bis jetzt. Zum Jahresausklang habe ich mir von den Büchern, die sich auf meinem Bett stapeln, das dickste vorgenommen, und in etwas mehr als einer Woche habe ich es durchgearbeitet – wobei, Arbeit war es keine, sondern ein fesselndes Vergnügen. Und jetzt bin ich da, wo ich seit über 25 Jahren nicht mehr war, da, wo mich ein Buch in echter Trauer zurücklässt, weil ich unbedingt wissen muss, wie es weitergeht, aber nicht kann, weil der nächste Band noch nicht angekündigt ist.

The Raven Scholar von Antonia Hodgson ist der Auftakt zu einer Trilogie, der zweite Band noch mindestens ein halbes Jahr, eher mehr, hin, und das Ende des Buches ziemlich offen – so offen, dass ich die Geschichte zwar voll und ganz weiterempfehle, aber ein bisschen dazu raten möchte, mit dem Lesen zu warten, bis die Reihe abgeschlossen ist.… Weiterlesen “Antonia Hodgson: The Raven Scholar”

bookmark_borderMelissa Caruso: The Last Soul Among Wolves

In einem Jahr, in dem ich dann doch viel weniger gelesen habe als geplant, ist es leicht, mein absolutes Jahreshighlight auszumachen: The Last Hour Between Worlds von Melissa Caruso, das Buch mit den gestapelten Parallelwelten und der Zeitschleife, das ich im Januar regelrecht weggeatmet habe. Schon damals war ich auf die angekündigte Fortsetzung freudig gespannt, aber auch skeptisch: Das erste Buch war für mich in so vieler Hinsicht perfekt gewesen, dass ich mir schlecht vorstellen konnte, wie Caruso das nochmal toppen oder auch nur wiederholen sollte.

Trotzdem konnte ich mir das zweite Buch der Echo Archives nicht entgehen lassen, ich habe es bei der Illumicrate vorbestellt, damit die Bücher auch in ihrer Aufmachung aus einem Guss sind, selbst wenn ich da schon schönere Bücher hatte und es einschließlich Zoll und Porto deutlich teurer war, als wenn ich mir die reguläre Ausgabe über den Buchhandel bestellt hätte. Ich habe diese Investition nicht bereut. Aber auch wenn mir The Last Soul Among Wolves gut gefallen hat, muss ich doch sagen, dass es für mich dem ersten Teil nicht das Wasser reichen konnte und mich nicht so gefesselt hat – ich habe es im September bekommen und zu lesen begonnen, dann beiseitegelegt und erst jetzt in gemütlichem Tempo zu Ende gelesen. Und »Tempo« ist ein gutes Stichwort für das, worin The Last Hour Between Worlds der Fortsetzung überlegen war.

Das Tempo des ersten Buchs war perfekt. Eine Nacht, eine sich immer wiederholende Stunde, in Echtzeit erzählt, dass man es gar nicht mehr aus der Hand legen wollte aus Angst, etwas zu verpassen.… Weiterlesen “Melissa Caruso: The Last Soul Among Wolves”

bookmark_borderDanielle Knight: A Rather Vengeful Accord

Mit so großen Plänen bin ich ins Lesejahr 2025 gestartet, um so tiefer bin ich gefallen, als ich, noch ehe es Frühling wurde, aus dem Lesen wieder rausgerutscht bin. Ein paar Bücher habe ich noch zu Ende gelesen, aber nicht mehr rezensiert, und nun ist es zu spät dafür, ich erinnere mich nicht mehr genug an die Wendungen und meine Kritikpunkte, um ihnen eine fundierte Rezension zu verpassen. Über ein halbes Jahr lang habe ich dann gar nichts mehr gelesen, während mir weiterhin jeden Monat zwei bis drei Buchboxen ins Haus flatterten – die dritte habe ich dann im September gecancelt, aber es war schon zu spät: Da stapeln sich inzwischen so viele Bücher nicht mehr nur auf dem Regal neben meinem Bett, sondern auch gleich darin, und auf dem Fußboden daneben, und ich wollte nicht mehr bis zum ersten Januar warten, um meine guten Lesevorsätze in die Tat umzusetzen, sondern habe schon zum ersten Dezember wieder mit der Lektüre angefangen – nicht mit den Büchern, die schon am längsten darauf warten, sondern mit dem letzten Neuzugang, der Illumicrate aus dem November.

A Rather Vengeful Accord versprach mir vieles: Eine Enemies-to-Lovers-Story im Dark-Academia-Setting, eine neurodivergente, bisexuelle Haupfigur, queere Nebenfiguren, Schwertkampf und Nekromantie. Und auch wenn ich wirklich Spaß an der Lektüre hatte und das knapp vierhundertseitige Werk in unter einer Woche durchgelesen hatte, war doch zu vieles von dem, was mir der Illumicrate-Blurb versprochen hatte, nicht in der Geschichte. Weder wirkt die Hauptfigur, Ich-Erzählen Halen Killchoir, irgendwie neurodivergent, noch scheint sie an Frauen interessiert zu sein-  und selbst ihren Love Interest Alastair möchte sie, da zumindest das Enemies-to-Lovers-Trope erfüllt werden sollte, mit der Kneifzange nicht anfassen.… Weiterlesen “Danielle Knight: A Rather Vengeful Accord”

bookmark_borderMelissa Caruso: The Last Hour Between Worlds

Es gibt Bücher, die sind für mich so untrennbar mit bestimmten Feiertagen verbunden, dass ich sie immer wieder um die gleiche Zeit im Jahr lese. Das beste Beispiel, das mir dafür einfällt, ist Terry Pratchetts Hogfather, das ich jedes Jahr, wenn ich zu Weihnachten mit der Bahn zu meiner Familie gefahren bin, im Zug gelesen habe, als Hörbuch gehört oder später an Heiligabend nach der Bescherung in der Verfilmung angesehen habe. Jetzt habe ich ein Buch gefunden, das wie ein Hogfather fürs neue Jahr funktioniert, und das mich so sehr mitgerissen hat, dass ich mir vorstellen kann, es auch wieder und wieder zu lesen und zu einem meiner persönlichen Kulttitel zu erklären.

Wie so viele Bücher, die ich zur Zeit lese, war das kein gezielter Kauf, sondern ist mir über eine Buchbox ins Haus geflattert, in diesem Fall die Illumicrate vom letzten November. Diese Bücher sammeln sich auf einem Regal in meinem Schlafzimmer, und weil mein Ziel ist, sie schneller wegzulesen, als sie nachkommen, haben sie gerade eine hohe Priorität auf meinem Stapel ungelesener Bücher. Vor allem bei der Illumiucrate war noch kein Fehlgriff dabei – aber ich hatte noch kein Buch darunter, das sich so sehr wie für mich persönlich geschrieben angefühlt hat, wie das jetzt bei Melissa Carusos Last Hour Between Worlds der Fall war.

Das Buch hatte wirklich alles, um mein Herz zu gewinnen: Immer surrealistischer werdende Parallelwelten (und Parallelwelten von Parallelwelten), einen fesselnden Fantasykrimiplot, mitreißende, interessante Figuren, und eine zarte Romanze zwischen zwei Frauen, die buchstäblich sind wie Hund und Katz.… Weiterlesen “Melissa Caruso: The Last Hour Between Worlds”

bookmark_borderNeal Shusterman: Scythe

In den letzten Wochen habe ich gelesen, als wären meine Bücher Matrjoschkas, russische Puppen-in-der-Puppe: Ich habe eines angefangen, bis zu einer gewissen Stelle gelesen, das nächste angefangen, bis zu einer gewissen Stelle gelesen, und dann das nächste angefangen, bis mir buchstäblich die Lesezeichen ausgegangen sind vor angelesenen Büchern. Nur das letzte habe ich, im Verlauf einer guten Woche, dann tatsächlich am Stück gelesen, ohne mich mit anderen Büchern zu unterbrechen, und wenn ein Buch meinen derzeit so wankelmütigen Verstand derart mit Beschlag belegen kann, dann wird das wohl ein spannendes Buch gewesen sein. Und das ist das Mindeste, was ich über Neal Shustermans Scythe sagen kann: Es ist fesselnd geschrieben und lässt sich, trotz einer Länge von rund 450 Seiten, gut und schnell lesen.

Tatsächlich kann ich noch mehr positive Sachen über dieses Buch sagen, und auch wenn ich zwischendurch Momente hatte, während derer ich es beherzt gegen die Wand schmeißen wollte, hat es am Ende die Kurve bekommen, und das gut genug, dass ich jetzt auch den zweiten Band der Trilogie lesen möchte. Nicht unbedingt sofort – vorher will ich all die angebissenen Bücher zu Ende lesen, die sich neben meinem Bett stapeln und bei denen mir oft nur noch hundert Seiten fehlen. Aber dann, wenn ich mir wieder erlaube, neue Bücher zu kaufen, will ich nach vielen Reihen, die mich nicht überzeugen konnten, endlich mal wieder einen Mehrteiler weiterlesen.

Scythe – das auf Deutsch unter dem Titel Scythe – die Hüter des Todes – erschienen ist, ist ein Jugendroman, der tückischerweise so tut, als würde er sich um eine Utopie handeln, in Wirklichkeit aber zutiefst dystopisch daherkommt.… Weiterlesen “Neal Shusterman: Scythe”

bookmark_borderStephanie Garber: Caraval

Es gibt Bücher, da klingt der Klappentext, als wären sie direkt für mich geschrieben worden – und wenn ich sie dann lese, sind sie so überhaupt nicht meines. So ein Fall war Stephanie Garbers Caraval. Das hatte ich mir schon 2017 gekauft, als es brandneu am Markt war, und mich auch sofort an die Lektüre gemacht, obwohl ich in der Zeit praktisch nichts gelesen habe – und so schnell, wie ich die Lektüre begonnen hatte, habe ich sie auch schon wieder beendet. Ich fand das Buch einfach sprachlich schlecht, die Figuren waren mir unsympathisch, und so gern ich mich auch in die Geschichte verliebt hätte, hat sie mich regelrecht abgestoßen. Ich war enttäuscht, das Buch wanderte ins Regal zurück – aber weil 2024 das Jahr ist, in dem ich wieder lese und allem eine Chance gebe, habe ich mir auch Caraval noch einmal vorgenommen, und sei es, um es am Ende beherzt verreißen zu können. Aber jetzt, wo ich mit dem Buch durch bin, kann ich sagen, ganz so schlecht wie befürchtet fand ich es dann doch nicht.

Das Buch versprach mir ein Spiel um Leben und Tod, eine Schatzsuche auf einer Insel, die eine Mischung ist aus Kirmes und Zirkus, und das klang erstmal wie etwas, das mir wirklich gut gefallen sollte. Ich liebe ja alles, was mit Jahrmärkten, Freizeitparks, Spielshows und dergleichen zu tun hat, und so hoffte ich, hier auch auf meine Kosten zu kommen. Aber bevor wir da auch nur ankommen, gibt es ein großes Hindernis zu überwinden: Und damit meine ich nicht die Aussicht, dass Gouverneur Dragna seine beiden Töchter zu Tode prügelt, wenn sie versuchen, der heimatlichen Insel zu entkommen, sondern dass eben nicht nur Vater Dragna ein Unsympath sondergleichen ist, sondern alle anderen handelnden Figuren irgendwie auch, Protagonist:innen eingeschlossen.… Weiterlesen “Stephanie Garber: Caraval”